NEWS | 07.09.2021

„Gefahr und Chance“

Internationale Konferenz zur Beseitigung von Munitionsaltlasten

Kiel. Mehr als 1,5 Millionen Tonnen an Altmunition liegen am Boden von Nord- und Ostsee. Um der zunehmenden Gefahr für Mensch und Umwelt zu begegnen, haben Expert*innen aus Schleswig-Holstein eine Vorreiterrolle im Aufspüren und in der Überwachung und Räumung eingenommen. Durch den Aufbau eines neuen Zweigs der maritimen Industrie und Meeresforschung würde das Land weiter profitieren. Unter dem Motto „Gefahr und Chance“ werden bei der Kiel Munition Clearance Week 2021 bis zum 10. September in Kiel konkrete Lösungsansätze diskutiert.

Allein am Boden von Nord- und Ostsee liegen seit Ende des 2. Weltkriegs mehr als 1,5 Millionen Tonnen Munition – eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Substanzen aus den Sprengstoffen sammeln sich im Wasser und werden regelmäßig in Pflanzen und Tieren nachgewiesen. Über Fische und Meeresfrüchte gelangen krebserregende Stoffe sogar in unsere Nahrungskette. Nicht nur Deutschland, sondern auch Länder wie Großbritannien, Frankreich, Italien, USA, Kanada oder Japan stehen vor der Herausforderung, die Munition schnell, sicher und umweltschonend zu beseitigen.

Die „Kiel Munition Clearance Week“ bringt darum vom 6. bis 10. September 2021 Expert*innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Umweltschutz und Marine in der Business Lounge der Wunderino Arena Kiel zusammen. Auf der internationalen Tagung präsentiert auch die Generaldirektion „Maritime Angelegenheiten und Fischerei“ der Europäischen Kommission (DG MARE) erstmals vorläufige Ergebnisse ihrer Studie zu Munition im Meer.

„Die systematische Beseitigung von Munition im Meer ist eine riesige Langzeitaufgabe. Aber jeder Marathon beginnt mit einem ersten Schritt“, sagt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Schirmherr der Veranstaltung. Für Norbert Brackmann, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, stellt diese Aufgabe eine zentrale Herausforderung der kommenden Jahre für Politik, Behörden, Meereswissenschaft und Historiker dar.

„Unsere Vision ist es, die Weltmeere bis 2100 frei von Munitionsaltlasten zu bekommen“, erklärt Jann Wendt (north.io GmbH), Initiator der Munition Clearance Week und Gründer des internationalen Munitionskatasters Ammunition Cadastre Sea (AmuCad.org). AmuCad.org organisiert den Kongress gemeinsam mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, einem Mitglied der DAM, der Kieler Wirtschaftsförderung, dem Maritimen Cluster Norddeutschland, der Landesinitiative Zukunft Meer, dem Wirtschafts- und dem Umweltministerium Schleswig-Holstein, TransMarTech, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein und dem europäischen Forschungsprojekt Boost Applied munition detection through Smart data inTegration and AI workflows (BASTA).

Rund 150 Expert*innen nehmen vor Ort in Kiel an der Konferenz teil, darunter 50 Vortragende. Darüber hinaus sind über 350 Teilnehmer*innen aus 25 Ländern virtuell zugeschaltet. Die Veranstaltung wird auf der Internet-Plattform „hopin” unter https://hopin.com/events/kmcw21 live übertragen.

„Das GEOMAR forscht bereits seit 2013 an verschiedenen Aspekten zum Thema und wird seine wissenschaftlichen Arbeiten zum Aufspüren von Munition und zur Entwicklung von Lösungen für die Überwachung und Räumung fortsetzen“, sagt Professorin Dr. Katja Matthes, Direktorin des GEOMAR.

„Noch in diesem Jahr werden voraussichtlich drei weitere Projekte zum Thema am GEOMAR starten. Hierbei geht es neben technologischen Entwicklungen zur Sprengstoffdetektion im Wasser und einer durch künstliche Intelligenz unterstützen Einschätzung des Risikos durch individuelle Munitionsobjekte insbesondere um die ökologischen Auswirkungen von Munition im Meer“, ergänzt Professor Dr. Jens Greinert vom GEOMAR. „Alle relevanten deutschen Forschungseinrichtungen ziehen bezüglich der ökologischen Auswirkungen an einem Strang und bilden ein umfassendes wissenschaftliches Konsortium.

„Die Munition auf sichere, umweltfreundliche und wirtschaftlich vertretbare Weise zu entfernen, erfordert innovative Lösungen in der Erkennung und Entsorgung, die aus einer hoch spezialisierten maritimen Industrie stammen“, betont Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein.

Aus Sicht der IHK Kiel ergeben sich für das Land Schleswig-Holstein Investitionen in mehrstelliger Milliardenhöhe und Möglichkeiten für den Export von Technologien und Know-How. „Kiel hat als Standort der maritimen Industrie und Meeresforschung die Chance, einen neuen Wirtschaftszweig zu etablieren und Schleswig-Holstein in den internationalen Fokus zu rücken“, sagt IHK-Präsidentin Friederike Kühn.

Insgesamt umfasst das englischsprachige Programm acht Podiumsdiskussionen, eine Reihe von Präsentationen und Workshops. Die Deutsche Marine präsentiert am 8. September im Marinestützpunkt Kiel ihre Minenabwehr-Fähigkeiten. Für die interessierte Öffentlichkeit finden zum Themenkomplex Munition im Meer zusätzliche Side-Events statt, unter anderem des NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. und der Herman Ehlers Akademie (HEA). Der NABU bietet am 9. September von 10 bis 13 Uhr eine Strandwanderung an, bei der für die Verwechslungsgefahr von Sprengstoffen und Steinen sensibilisiert wird. Am gleichen Tag findet von 17 bis 18:30 zudem ein Vortragsabend zur Geschichte des Munitionsversenkungsgebietes Heidkate statt. Rückfragen an Dr. Anne Böhnke-Henrichs (E-Mail: Munition(at)NABU.de, Tel.: 030-284984-1638).

Die HEA veranstaltet am 7. September um 19 Uhr das Dialogforum „Meer.Innovation“, an dem Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz, Prof. Dr. Jens Greinert (GEOMAR), Kay-Achim Schönbach, Vizeadmiral der Deutschen Marine sowie Jann Wendt (north.io GmbH) teilnehmen. Weitere Informationen: https://www.hermann-ehlers.de/veranstaltung/alias/dialogforum-meer-innovation.html.

Bildmaterial:

Videomaterial und sowie weitere Fotos stehen unter https://cloud.geomar.de/s/f3WLxqmM73Bi2jq zum Download bereit.

Kontakt:

Adrian J. Neumann
Tel.: 0431 36 30 54 10
E-Mail: communications(at)MunitionClearanceWeek.org

Andreas Villwock
Kommunikation & Medien
GEOMAR
Tel.: 0431 600-2802
E-Mail: presse(at)geomar.de

Header-Bild: GEOMAR

Seite teilen

Newsletter

Immer aktuell informiert mit dem DAM-Newsletter.

Unsere Förderer

Die Bundesregierung und die Regierungen der fünf norddeutschen Bundesländer unterstützen den derzeitigen Aufbau und fördern die DAM. Zusätzlich wird die DAM durch die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren unterstützt.

Diese Website verwendet Cookies

Wir weisen Sie darauf hin, dass diese Seite nur Cookies folgender Anbieter verwendet, um die Benutzerfreundlichkeit unserer Webseite zu gewährleisten und eine hohe Funktionalität der Webseite zu garantieren. Wählen Sie aus, welche Cookies Sie akzeptieren möchten, oder klicken Sie auf Ablehnen, um alle Cookies zu entfernen.

Cookies auswählen