NEWS | 17.10.2022

Ostsee-Fangquoten 2023 sind nur ein Trostpflaster – Die ökologische Misere dauert an

Der heutige Beschluss der EU-Fischereiminister*innen in Luxemburg zu den Fangquoten für Fischpopulationen in der Ostsee im kommenden Jahr ist eine gute Entwicklung. Sie wird jedoch dem katastrophalen Gesamtzustand von Ostsee und Fischpopulationen nicht gerecht, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ein Mitglied der DAM, erklärt. Für zwei der zehn Fischpopulationen der Ostsee wurden die Fangquoten oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) festgelegt. Das ist eine Verbesserung zum vergangenen Jahr.

„Wir begrüßen, dass die Minister*innen dem guten Vorschlag der Kommission größtenteils gefolgt sind und auch im nächsten Jahr die gezielte Fischerei auf Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee geschlossen bleibt. Nur durch einen andauernden und nachhaltigen Schutz können die Populationen sich erholen“, so BUND-Meeresschutzexpertin Nadja Ziebarth.

Noch gibt es keine Anzeichen für eine Erholung bei den zusammengebrochenen Fischpopulationen von Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee, sowie Dorsch in der östlichen Ostsee. Auch die Heringe in der zentralen Ostsee und im Bottnischen Meerbusen schwächeln. Diskussionsstoff in den historisch kurzen Verhandlungen lieferten nur die Fangquoten für Sprotte und zentralen Hering. Hier folgten die Fischereiminister*innen dem ökosystem-basierten Vorschlag der Kommission nicht und entschieden für höhere Fangquoten.

„Wir können die Fischpopulationen nicht einzeln betrachten, in der Natur hängt alles zusammen“, so Ziebarth. „Sprotte ist eine wichtige Nahrungsgrundlage für andere Fischarten wie den Dorsch. In der Grundschleppnetzfischerei auf Scholle gehen viele Dorsche als Beifang ins Netz. So etwas muss unbedingt berücksichtigt werden, sonst erholt sich der Dorsch trotz des andauernden Fangstopps nie.“

Auch wenn die Fischereiminister*innen endlich den Empfehlungen der Wissenschaft folgen, tröstet das nicht über die ausbleibenden Maßnahmen zum Schutz der Ostsee hinweg. Fünf Jahre nach Ausweisung der Schutzgebiete in der deutschen Ostsee ist Fischerei dort nicht verboten. Gleichzeitig fangen riesige Fischtrawler weiter Hering und Sprotte, nur um Fischmehl daraus zu machen. „Die Beschlüsse der jährlichen Fangquoten-Verhandlungen bleiben weit hinter dem zurück, was die Ostsee braucht, um sich zu erholen. Wenn die Bundesregierung es mit der Rettung der Fischpopulationen wirklich ernst meint, muss sie mehr tun. Gerade hat Dänemark einen Plan vorgelegt, die gesamte Beltsee für Grundschleppnetzfischerei zu schließen, um die letzten Dorsche zu schützen. Diesem Beispiel sollte Fischereiminster Cem Özdemir in deutschen Gewässer folgen“, fordert Ziebarth.

Bei den Verhandlungen in Luxemburg machte der BUND vor dem EU-Ratsgebäude mit der Kunstaktion „voice of the fish“ auf die Zerstörung und Ausbeutung der Meere durch Fischerei aufmerksam.


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Header Bild: Fisch im Netz. Foto: Pexels / Pixabay

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