@PatrickPötschke
NEWS | 07.10.2026

Meeresforschung als Zukunftsvorsorge

Parlamentarischer Abend der DAM vermittelt Impulse für Meeresschutz, Innovationen und sichere Küsten in Niedersachsen und darüber hinaus

Erkenntnisse der Meeres- und Klimaforschung können entscheidend dazu beitragen, Niedersachsens Küsten zukunftssicher zu machen – von der Küstensicherung über Arten- und Meeresschutz bis zu technischen Innovationen, so das Resümee des parlamentarischen Abends “MeerZukunft” der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) am 6. Oktober 2026 in Hannover.

Anhand wissenschaftlicher Beiträge zu den Themen Marine Biodiversität, Energie aus dem Meer, Folgen des Klimawandels an der Küste sowie Meeresforschung mit Weitblick stellten Wissenschaftler:innen verschiedener DAM-Mitgliedseinrichtungen den rund 50 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft vor, welchen Beitrag die Forschung zu Klimaschutz, Zukunftsvorsorge sowie zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz von Küsten und Meeren leistet. Zentrale Botschaft des Abends: Die Wissenschaft liefert Orientierungs- und Handlungswissen, auf dessen Basis Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig wirksame Entscheidungen treffen können – und damit auch erforderliche Innovationen begründen und unterstützen.

Meere und Ozeane zählen zu den bedeutendsten Ökosystemen der Erde und spielen eine zentrale Rolle für globale Klimaprozesse. Durch Verschmutzung und Übernutzung verschlechtert sich ihr Zustand rasant. „Als Küstenland trägt Niedersachsen eine besondere Verantwortung für den Schutz unserer Meere. Die Auswirkungen des Klimawandels – wie Erwärmung und Artenverlust – spüren wir hier ganz unmittelbar. Umso wichtiger ist es daher, den Umwelt- und Klimaschutzschutz zu einer echten Priorität zu machen“, erklärte Dr. Tanja Meyer (MdL), Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages, in ihrem Grußwort. Sie dankte allen Forschenden der DAM, die die Politik an ihrem Wissen teilhaben lassen und konkret umsetzbare Lösungen und Ansprechpartner zur Seite stellen.

Prof. Dr. Joachim Schachtner, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der Meeresforschung für das Land Niedersachsen: Der Erhalt der Biodiversität, Küstenschutz und die Anpassung an den Meeresspiegelanstieg seien keine theoretischen Fragestellungen, sondern konkrete Herausforderungen. Für Niedersachsen berühre die Meeresforschung daher einige der wichtigsten Zukunftsfragen des Landes. Die DAM helfe mit ihren Forschungsergebnissen politischen Akteuren dabei, Veränderungen nicht nur zu beobachten, sondern Grundlagen für strategische Entscheidungen zu schaffen. Der enge Austausch zwischen Politik und Wissenschaft sei dafür unerlässlich.

Meere, Küsten, Zukunft: Gesunde Meere für Klimaschutz und Wirtschaft

In vier wissenschaftlichen Vorträgen verdeutlichten Dr. Maike Paul, Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. Pedro Martínez Arbizu, Senckenberg am Meer, Prof. Dr. Nils Goseberg, Technische Universität Braunschweig und Prof. Dr. Oliver Zielinski, wissenschaftlicher Leiter des Helmholtz-Zentrums Hereon, welchen Beitrag die Meeres- und Klimaforschung leisten kann, um den nachhaltigen Umgang mit dem Meer und den Küstenschutz in Niedersachsen miteinander zu vereinen – mit Strahlkraft auf ganz Deutschland.

An die Politik lassen sich daraus folgende Impulse ableiten:

  • Gesunde Meere – Lebensgrundlage, Wirtschafts- und Innovationsraum
    Die Meere sichern Nahrung, regulieren das Klima und liefern Rohstoffe, Energie und biologische Vielfalt. Das ist die Grundlage für Gesundheit, Wohlergehen und Wertschöpfung.
    Handlungsbedarf: Notwendig ist, diese Ökosystemleistungen weiter zu quantifizieren und in wirtschaftliche Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Nachhaltiger Umgang mit den Meeren ist kein Verzicht, sondern die Bedingung dafür, dass Fischerei, Tourismus, Häfen und maritime Industrie langfristig tragfähig bleiben. Diese Erkenntnis muss ressortübergreifend und gesellschaftlich verankert werden.
  • Energie und Rohstoffe aus dem Meer – naturverträgliche Transformation
    Offshore-Windkraft und Rohstoffgewinnung sind zentral für die Energiewende, verändern den Meeresraum aber erheblich und treffen auf bereits belastete Ökosysteme.
    Handlungsbedarf: Energie-, Klima-, Wirtschafts- und Meeresumweltpolitik müssen ressort- und grenzübergreifend verzahnt werden. Naturverträgliche Planung, kumulative Wirkungsanalysen und wissenschaftliche Begleitung gehören verbindlich in Genehmigungsverfahren, ohne diese zu verlängern. Innovative, technische Lösungen wie lärmreduzierte Gründungsverfahren und Nature-Inclusive-Design sind verfügbar und sollten konsequent genutzt werden.
  • Marine Biodiversität schützen – Grundlage für Wohlergehen und Wirtschaft
    Biologische Vielfalt im Meer und an der Küste sichert die Basis für Fischerei und Tourismus, reguliert das Klima und liefert Ansätze für neue Wirkstoffe und Materialien.
    Handlungsbedarf: Meeresschutz muss flächendeckend gedacht und mit umfassendem Monitoring und ökosystembasiertem Management unterlegt werden – nicht nur in Schutzgebieten. Marine Raumplanung ist Daseinsvorsorge und ermöglicht Mehrfachnutzung. Neue Monitoring- und Analysemethoden sind zugleich Treiber für Innovationen in Verwaltung und Wirtschaft. Innovatives Küsten- und Meeresmanagement muss Schutz und nachhaltige Nutzung verbinden und auf der Grundlage unabhängiger, lösungsorientierter Forschung erfolgen.
  • Klimafolgen an der Küste begegnen – Wissen und naturbasierte Lösungen
    Meeresspiegelanstieg, häufigere Extremwasserstände und veränderte marine Ökosysteme gefährden die Menschen in Küstenregionen, ihre Infrastruktur und ihre Wirtschaft.
    Handlungsbedarf: Klimaanpassung braucht szenarienbasierte Forschung und Frühwarnsysteme. Technische und naturbasierte Lösungen – Salzwiesen, Seegraswiesen, ökosystemgestützter Küstenschutz – sollten gleichwertig geplant und gefördert werden; sie verbinden Klima-, Natur- und Infrastrukturschutz und erhöhen die Resilienz der Küstenregionen.
  • Vernetzte Technologien für informierte Entscheidungen
    Neue Technologien wie autonome Systeme, Künstliche Intelligenz und Digitale Zwillinge machen es erstmals möglich, Veränderungen im Meer kontinuierlich zu beobachten und Handlungsoptionen evidenzbasiert zu bewerten. Die DAM verbindet hierfür Kompetenzen, Infrastrukturen und Missionen zu einem leistungsfähigen wissenschaftlichen Netzwerk.
    Handlungsbedarf: Digitale Forschungs- und Dateninfrastrukturen sowie die langfristige Beobachtung der Meere müssen als strategische Zukunftsinvestitionen verstanden werden. Nur so können Deutschland und Europa wissenschaftliche Souveränität stärken und informierte Entscheidungen für Klimaschutz, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung treffen.
  • Blaue Wirtschaft an Belastungsgrenzen ausrichten
    Eine zukunftsfähige Blaue Wirtschaft nutzt die Meere, ohne ihre ökologischen Belastungsgrenzen zu überschreiten.
    Handlungsbedarf:Politik kann Brücken zwischen Meeresforschung, Naturschutz und maritimer Wirtschaft bauen – über Förderprogramme, Transferstrukturen und Innovationscluster, die ökologische und ökonomische Ziele zusammendenken. Kreislaufwirtschaft, Blue-Carbon-Ansätze und naturverträglicher Tourismus schaffen wirtschaftliche Anreize für Meeresschutz. Grenzüberschreitende Innovationspartnerschaften im Nordseeraum sind dafür unverzichtbar.
  • Wissenschaft als Innovationspartner
    Zukunftsfähige Meerespolitik braucht neben technologischem Fortschritt auch soziale und institutionelle Innovationen sowie partizipative Ansätze. Reallabore, digitale Wissensplattformen und Open-Data-Infrastrukturen beschleunigen den Transfer vom Labor in die Praxis.
    Handlungsbedarf: Der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik muss institutionell verankert und finanziert werden. Gesellschaftlicher Dialog über die Zukunft der Meere ist Grundlage für breite Akzeptanz und nachhaltigen Wandel.
Forschungswissen gemeinsam wirksam machen

“Wir wollen Wissen aus der Forschung wirksam machen”, sagte Torsten Schlurmann, Professor an der Leibniz Universität Hannover, Direktor des Forschungszentrums Küste und DAM-Vorstandsmitglied, bei der Vorstellung der Ziele und Aktionsfelder der DAM. Anja Prisching und Sebastian Neun, zwei Nachwuchswissenschaftler:innen der Uni Oldenburg, ergänzten: “Die Meeresforschung hilft zu verstehen, wie die Meere funktionieren und wie der Mensch die Meere verändert.” Die Rolle der Wissenschaft sei es, Zusammenhänge darzustellen, Rolle der der Politik, das gelernte Wissen umzusetzen – und damit Wirkung zu erzielen für die Gesellschaft. Ziel der parlamentarischen Formate der DAM wie dieser Abend ist es, diesen Wissensaustausch zu fördern.

Zum Veranstaltungsprogramm

WEITERE INFORMATIONEN

Weitere Informationen zu diesen und anderen Meeresthemen finden Sie im Informationsportal der deutschen Meeresforschung: www.meere-online.de.

 

Gruppenbild der Speaker:innen auf der Bühne: v.l.n.r.: Prof. Dr. Torsten Schlurmann, Ulrike Heckmann (Moderation), Dr. Maike Paul, Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Schachtner, Prof. Dr. Nils Goseberg, Prof. Dr. Pedro Martínez Arbizu, Prof. Dr. Oliver Zielinski, Dr. Tanja Meyer, MdL, Dr. Nicole Biebow, Prof. Dr. Kai-Uwe Hinrichs | @Patrick Pötsch
Die Teilnehmenden des parlamentarischen Abends der DAM in Hannover: der gefüllte Saal | @Patrick Pötsch
Torsten Schlurmann, Prof. Leibniz Universität Hannover, Direktor FZK und DAM-Vorstandsmitglied, auf der Bühne | @Patrick Pötsch
Forschende der Universität Hannover erklären am Modell die wellendämpfende Wirkung von Seegraswiesen | @Patrick Pötsch
Rundgang durch die wissenschaftliche Ausstellung: Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Schachtner; DAM-Vorstandsvorsitzende Dr. Nicole Biebow (im Bild rechts) | @Patrick Pötsch
Forschende der TU Braunschweig erklären am Modell Forschungsansätze rund um Energiegewinnung im Meer | @Patrick Pötsch
Präsentation der DAM-Forschungsmissionen | @Patrick Pötsch
Get together mit wissenschaftlichem Rundgang | @Patrick Pötsch

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