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23.04.2026

Offshore-Windenergie und Meeresökosysteme: Wissenschaftliche Perspektiven im Deutschen Bundestag

Parlamentarisches Frühstück von DAM, DAM-Forschungsmission sustainMare und BMFTR

Wie beeinflusst die Offshore-Windkraft die Meeresumwelt und wie lässt sich ihr geplanter Ausbau möglichst nachhaltig gestalten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines parlamentarischen Frühstücks der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM), der DAM-Forschungsmission sustainMare und des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) am 22. April im Jakob-Kaiser-Haus im Deutschen Bundestag in Berlin. Über 30 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Stiftungen und Wissenschaft diskutierten auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Ausbau der Offshore-Windkraft in Nord- und Ostsee.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch ein Grußwort Leif Erik Bodin, MdB und Schirmherr der Veranstaltung. Er betonte, dass in dem begrenzten Raum der Nordsee zunehmend verschiedene Nutzungsinteressen sowie Meeresschutz aufeinanderträfen. Um zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, brauche es eine belastbare wissenschaftliche Grundlage. Auch Monika Fischer vom Referat Meeres-, Küsten- und Polarforschung des BMFTR BMFTR hob die Bedeutung der Küsten- und Meeresforschung als strategisches Forschungsfeld der Bundesregierung hervor und hob die Bedeutung des lösungsorientierten und transdisziplinären Ansatzes der DAM-Forschungsmission sustainMare hervor, deren Ziel es ist, Nutzungskonflikte zu analysieren und daraus Lösungsoptionen für eine nachhaltige Nutzung von Nord- und Ostsee zu entwickeln.

Wissenschaftlicher Impuls: „Windkraft auf See: Die neue Herausforderung für den Lebensraum Meer“

In ihrem wissenschaftlichen Impulsvortrag stellten Corinna Schrum, Ute Daewel und Andreas Kannen vom Helmholtz-Zentrum Hereon aktuelle Forschungsergebnisse aus der DAM-Forschungsmission sustainMare vor. Adressiert wurden mögliche Auswirkungen des geplanten Ausbaus der Offshore-Windenergie in der Nordsee sowie Lösungsansätze, um den Ausbau nachhaltig zu gestalten.

  • Auswirkungen auf Wind, Strömung und Sedimenttransport
    Aus den bisherigen Beobachtungen und Modellen lässt sich ableiten: Der geplante Ausbau der Offshore Winderzeugung hat signifikante und großräumige Auswirkungen auf die dynamischen Bedingungen in der Nordsee. Diese führen zu signifikanten Änderungen im Sedimenttransport und Niederschlag und wirken auf das Ökosystem. Mit Modellen lassen sich diese Auswirkungen auf Wind und Strömung gut abschätzen. Doch es gibt noch viele Unsicherheiten und zahlreiche offene Fragen.
  • Auswirkungen auf das Ökosystem
    Marine Ökosysteme sind sehr dynamisch und systematisch miteinander verbunden. Daher führen Offshore-Windparks zu räumlichen und zeitlichen Veränderungen im Ökosystem auch außerhalb der Windparks und in Meeresschutzgebieten. Veränderungen machen sich im gesamten Nahrungsnetz bemerkbar. Beispielsweise wirken sich Veränderungen von Strömung und Durchmischung auf Nährstoffverfügbarkeit und Lichtbedingungen aus und damit auf das Wachstum von Plankton, der Nahrungsbasis vieler Meerestiere. Die ökologischen Auswirkungen können sowohl positiv als auch negativ sein.Negative Effekte etwa auf Meeressäuger durch den Unterwasserlärm beim Bau und Betrieb der Anlagen lassen sich durch den Einsatz von innovativen Technologien deutlich verringern.
  • Lösungsansätze für eine integrierte Meerespolitik
    Offshore-Windkraft verändert die Meeresumwelt deutlich, ist aber zentraler Baustein für Energiesicherheit, Energieunabhängigkeit, Klimaneutralität sowie technologische Entwicklung und Beschäftigung. Die Herausforderung ist, Natur, Meeresraum und Energiepolitik zusammen zu denken und nicht getrennt nach Sektoren. Gemeinsam können Wissenschaft, Industrie und Politik Lösungen für einen nachhaltigen Umgang mit den Meeren entwickeln. Dazu haben die DAM und sustainMare sieben Impulse für eine wissenschaftsbasierte Meerespolitik (PDF) zusamengefasst.

Weitere Informationen zum Thema:

  • Im Informationsportal der deutschen Meeresforschung, „Meere Online“, stehen weitere Informationen zum Thema Offshore-Windkraft zur Verfügung.
  • Die DAM-Forschungsmission sustainMare untersucht die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen menschlicher Nutzungen und Belastungen mariner Räume – insbesondere in der deutschen Nord- und Ostsee. Ziel ist, wissenschaftlich fundierte Optionen für Schutz- und Nutzungsstrategien zu entwickeln und damit Entscheidungsprozesse in Politik und Gesellschaft zu unterstützen. Das Projekt Coastal Futures beschäftigt sich u.a. mit den Auswirkungen von Offshore-Windparks auf marine Ökosysteme.
Das parlamentarische Frühstück fand im Bedienrestaurant des Jakob-Kaiser-Hauses des Deutschen Bundestages statt. | DAM
Schirmherr der Veranstaltung war der Bundestagsabgeordnete Leif Bodin MdB, der die Veranstaltung eröffnete. | DAM
Monika Fischer vom Referat Meeres-, Küsten- und Polarforschung des BMFTR begrüßte die Teilnehmenden. | DAM
Prof. Dr. Corinna Schrum (Helmholtz-Zentrum Hereon) stellte physikalische Effekte des Ausbaus der Offshore-Windenergie vor. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der DAM-Forschungsmission sustainMare erhoben. | DAM
Dr. Ute Daewel (Helmholtz-Zentrum Hereon) zeigte mögliche positive wie negative Folgen von Windparks für marine Ökosysteme auf. | DAM
Dr. Andreas Kannen (Helmholz-Zentrum Hereon und einer der Sprecher der Forschungsmission sustainMare) betonte die Bedeutunge einer effektiven und länderübergreifenden Planung der Raumnutzung; hier am Beispiel der Nordsee. | DAM
Nach dem wissenschaftlichen Impuls ging es in den offenen Austausch mit den Teilnehmenden. Rechts im Bild: Dr. Joachim Harms (DAM-Vorstandsvorsitzender), Moderator des parlamentarischen Frühstücks. | DAM
Dr. Annekatrin Lehmann (Geschäftsführung DAM) und Prof. Dr. Torsten Schlurmann (DAM-Vorstandsmitglied). | DAM

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