MeerZukunft in Hamburg
Parlamentarischer Abend der DAM beleuchtete die Rolle der Forschung im Spannungsfeld zwischen Nutzung und Schutz der Hamburger Elbe
Steigende Meeresspiegel, die sich verändernde Elbmündung, Schadstoffe auf dem Weg von der Elbe in die Nordsee und Abgasüberwachung in der Schifffahrt: Beim parlamentarischen Abend der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) am 27. August 2026 wurde deutlich, dass belastbare Daten aus der Meeres- und Klimaforschung dabei helfen, einige zentrale Zukunftsfragen Hamburgs zu beantworten.
Mit rund 40 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten die Forschenden, welchen Beitrag die Wissenschaft zu Klimaschutz, Zukunftsvorsorge sowie zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz von Küsten und Meeren leisten kann. Die Botschaft des Abends: Daten und Erkenntnisse aus der Meeres- und Klimaforschung bilden eine wichtige Grundlage für Hamburgs Zukunftssicherung. Die Wissenschaft kann als Partner in Zukunftsgestaltung und Daseinsvorsorge Handlungswissen liefern, um nachhaltige politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen zu treffen und erforderliche Innovationen zu fördern – mit Wirkung weit über die Stadtgrenzen hinaus. Dafür braucht sie eine verlässliche, zukunftsgerichtete Finanzierung.
„Für den Schutz und den Erhalt unserer Meere brauchen wir Praxiswissen, um heute die richtigen Entscheidungen für morgen zu treffen. Genau das liefert die DAM“, erklärte Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal in ihrem Grußwort. „Um die Krise der Ozeane zu meistern, braucht ihre Erforschung eine verlässliche Grundlage. Insbesondere nach der positiven Evaluierung ist die Verstetigung der DAM jetzt folgerichtig. Die DAM ist ein best practice-Beispiel für eine Bund-Länder-finanzierte Allianz, in der Institute über Grenzen hinweg zusammenarbeiten und die Forschung von Anfang an auf Anwendung ausgerichtet ist. Hamburg ist stolz darauf, Teil einer der größten marinen Forschungsallianzen der Welt zu sein.“ Die anwesenden Wissenschaftler:innen ermunterte sie, als starke Stimme in der Öffentlichkeit aufzutreten – und die Politik kontinuierlich kritisch zu begleiten.
Meere und Ozeane zählen zu den bedeutendsten Ökosystemen der Erde und spielen eine zentrale Rolle für globale Klimaprozesse. Durch Verschmutzung und Übernutzung verschlechtert sich ihr Zustand rasant. Um Meere und Ozeane als unsere Lebensgrundlage zu erhalten, hat sich die DAM zum Ziel gesetzt, mit dem gebündelten Wissen der deutschen Meeresforschung und im Dialog mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren den nachhaltigen Umgang mit Küsten, Meeren und Ozeanen zu fördern. Hamburg ist als Millionenstadt an der Elbmündung, direkt vor dem UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer, und als Hafenmetropole mit globaler Verantwortung unmittelbar mit den Herausforderungen von Klimawandel, maritimer Transformation und Meeresschutz verknüpft – und bietet als Ort internationaler Meerespolitik und führender Standort der deutschen Klima- und Meeresforschung mit engen Verbindungen zu maritimer Wirtschaft und zum Hafen einen besonders geeigneten Rahmen, um den Dialog von Wissenschaft und Politik zu vertiefen.
Zukunftsvorsorge: Politisches Handeln auf wissenschaftlicher Grundlage
Vier wissenschaftliche Impulse verdeutlichten, welchen Beitrag die Meeres- und Klimaforschung leisten kann, um Nutzung und Schutz der Elbe in Hamburg miteinander zu vereinen – und formulierten gleichzeitig dafür benötigte, wissenschaftsbasierte politische Maßnahmen:
- Klimaschutz in Hamburg: Meeres- und Klimaforschung als strategische Daseinsvorsorge
Steigende Meeresspiegel, häufigere und stärkere Sturmfluten sowie Extremniedrigwasser bedrohen Hamburg als Hafen- und Millionenstadt direkt. Die in der DAM vertretenen Meeresforschungseinrichtungen betreiben die Küsten- und Ozeanbeobachtung, die Hamburg für fundierte Klimaanpassungsentscheidungen brauche, erklärte Johanna Baehr, Professorin für Klimamodellierung an der Universität Hamburg. Hochauflösende Sturmflutmodelle und Projektionen für den steigenden Meeresspiegel in der Deutschen Bucht beispielsweise seien unverzichtbare Grundlage für die Standortsicherung von Deichen, HafenCity und Elbmarschen.
Für die Politik leiten sich daraus Empfehlungen ab, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in alle langfristigen Investitions- und Planungsentscheidungen einzubeziehen – und die kontinuierliche Finanzierung der Forschung sicherzustellen. Klimaprojektionen und Küstenmonitoring müssen zudem als kritische Infrastruktur verstanden und langfristig gesichert werden.
- Die Elbmündung: Lebensader, Klimapuffer und Wirtschaftsmotor
Die Elbmündung, wissenschaftlich Elbeästuar, ist Schifffahrtsweg und hochkomplexes Ökosystem zugleich: Überflutungsgebiete, Salzwiesen und Wattflächen erfüllen zentrale Funktionen für Klima-, Hochwasser- und Naturschutz, erläuterte Dr. Frank Kösters, Leiter der Abteilung Wasserbau Küstenbereich an der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW). Sedimentmanagement, Fahrrinnenanpassungen und Klimawandel verändern das System grundlegend. Wettbewerbsfähig bleibe der Hamburger Hafen nur, wenn Sedimentverhältnisse, Wassertiefen und Ästuardynamik wissenschaftlich verstanden und vorausschauend gesteuert werden. Dafür empfiehlt sich eine ressortübergreifende Strategie, die Hafenwirtschaft, Wasserbau und Naturschutz auf wissenschaftlicher Grundlage verzahnt. Besonderes Augenmerk muss dabei auf dem Erhalt der biologischen Vielfalt in Elbmündung und angrenzender Nordsee liegen, die das Fundament für Fischerei, Tourismus und natürlichen Küstenschutz bildet.
- Schadstoffe: globale Verantwortung beginnt vor Ort
Schadstoffe und Mikroplastik gelangen über die Elbe in die Nordsee, wirken bis ins Wattenmeer und in die offene See und kehren über die Nahrungskette zurück. Diese Land-Fluss-Meer-Übergänge werden unter anderem vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und vom Helmholtz-Zentrum Hereon systematisch dokumentiert. Als einer der größten europäischen Häfen habe Hamburg die Reichweite und die Verantwortung, ambitionierte Standards zu setzen, formulierte Prof. Ralf Ebinghaus, Leiter des Instituts für Umweltchemie des Küstenraumes am Hereon. Als Empfehlung an die die Umweltpolitik folgt daraus, Land, Fluss und Meer konsequent zusammenzudenken – mit verstärkten Schadstoffkontrollen im urbanen Raum und in der Schifffahrt sowie ambitionierten Grenzwerten für als „Ewigkeitschemikalien” bekannte langlebigen und gesundheitsschädliche PFAS-Verbindungen.
- Saubere Schifffahrt braucht messbare Grenzwerte
Hamburg ist der größte Reedereistandort Deutschlands. Strenge internationale Umweltvorgaben und globaler Wettbewerb treiben den Wandel zu klimafreundlichen Antrieben und autonomer Schifffahrt voran, führte Katrin Ewert, Leiterin des Referats Umweltschutz im Seeverkehr am Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) aus. Der Sektor habe sich bereits erkennbar angepasst: Die meisten Schiffe seien nachgerüstet oder auf schadstoffarme und alternative Kraftstoffe umgestellt worden. Als Aufgabe für die Politik leitet sich hieraus ab, eine moderne, automatisierte Schiffsabgasüberwachung als Voraussetzung für saubere Luft und faire Wettbewerbsbedingungen zu etablieren – ebenso wie die Entwicklung von Messverfahren und Grenzwerten für bisher nicht regulierte Schadstoffe.
Die Meeres- und Klimaforschung in Deutschland und speziell in Hamburg sei sehr gut aufgestellt, um komplexe Themen und Zukunftsfragen wie in den Impulsen ausgeführt zu adressieren, betonte Dr. Kerstin Jochumsen, Leiterin der Abteilung Meereskunde am BSH und DAM-Vorstandsmitglied. Rolle der Forschung sei es, für komplexe Themen zu sensibilisieren, Zusammenhänge darzustellen und lösungsorientiertes Handlungswissen bereitzustellen – und so Forschungsergebnisse in der Gesellschaft wirksam werden zu lassen. Interdisziplinäre und einrichtungsübergreifende wissenschaftliche Zusammenarbeit wie in den DAM-Forschungsmissionen CDRmare, sustainMare und mareXtreme böten dafür echten Mehrwert. Sie lud die Anwesenden ein, kontinuierlich im Dialog zu bleiben – u.a. mit Veranstaltungen wie diesem parlamentarischen Abend.
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Die Deutsche Allianz Meeresforschung (DAM) verbindet 25 führende deutsche Meeresforschungseinrichtungen mit dem Ziel, den nachhaltigen Umgang mit den Küsten, Meeren und dem Ozean durch Forschung, Transfer, Datenmanagement und Digitalisierung sowie Infrastrukturen zu stärken. Dafür erarbeitet die DAM mit ihren Mitgliedseinrichtungen lösungsorientiertes Wissen und vermittelt Handlungsoptionen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Sie wird vom Bund und den norddeutschen Bundesländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gefördert.