Offshore-Windenergie und Meeresökosysteme: Wissenschaftliche Perspektiven im Deutschen Bundestag
Parlamentarisches Frühstück zusammen mit der DAM-Forschungsmission sustainMare und dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Wie beeinflusst die Offshore-Windkraft die Meeresumwelt und wie lässt sich ihr geplanter Ausbau möglichst nachhaltig gestalten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines parlamentarischen Frühstücks der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM), der DAM-Forschungsmission sustainMare und des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) am 22. April im Jakob-Kaiser-Haus im Deutschen Bundestag in Berlin. Rund 33 (wird noch überprüft) Gäste aus Politik, Wirtschaft, Stiftungen und Wissenschaft kamen zusammen, um auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Ausbau der Offshore-Windkraft in Nord- und Ostsee zu diskutieren.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch ein Grußwort Leif Erik Bodin, MdB und Schirmherr der Veranstaltung. Er betonte, dass in dem begrenzten Raum der Nordsee zunehmend verschiedene Nutzungsinteressen sowie Meeresschutz aufeinanderträfen. Um zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, brauche es eine belastbare wissenschaftliche Grundlage. Auch Monika Fischer vom Referat Meeres-, Küsten- und Polarforschung des BMFTR BMFTR hob die Bedeutung der Küsten- und Meeresforschung als strategisches Forschungsfeld der Bundesregierung hervor und betonte den lösungsorientierten und transdisziplinären Ansatz der DAM-Forschungsmission sustainMare, in der Nutzungskonflikte analysiert und Lösungsoptionen für eine nachhaltige Nutzung von Nord- und Ostsee entwickelt werden.
Wissenschaftlicher Impuls: „Windkraft auf See: Die neue Herausforderung für den Lebensraum Meer“
In ihrem wissenschaftlichen Impulsvortrag stellten Corinna Schrum, Ute Daewel und Andreas Kannen vom Helmholtz-Zentrum Hereon aktuelle Forschungsergebnisse aus der DAM-Forschungsmission sustainMare vor. Adressiert wurden mögliche Auswirkungen des geplanten Ausbaus der Offshore-Windenergie in der Nordsee sowie Lösungsansätze, um den Ausbau nachhaltig zu gestalten.
Auswirkungen auf Wind, Strömung und Sedimenttransport
Aus den bisherigen Beobachtungen und Modellen lässt sich ableiten: Der geplante Ausbau der Offshore Winderzeugung hat signifikante und großräumige Auswirkungen auf die dynamischen Bedingungen in der Nordsee. Diese führen zu signifikanten Änderungen im Sedimenttransport und Niederschlag und wirken auf das Ökosystem. Mit Modellen lassen sich diese Auswirkungen auf Wind und Strömung gut abschätzen. Doch es gibt noch viele Unsicherheiten und zahlreiche offene Fragen.
Auswirkungen auf das Ökosystem
Marine Ökosysteme sind sehr dynamisch und systematisch miteinander verbunden. Daher führen Offshore-Windparks zu räumlichen und zeitlichen Veränderungen im Ökosystem auch außerhalb der Windparks und in Meeresschutzgebieten. Veränderungen machen sich im gesamten Nahrungsnetz bemerkbar. Beispielsweise wirken sich Veränderungen von Strömung und Durchmischung auf Nährstoffverfügbarkeit und Lichtbedingungen aus und damit auf das Wachstum von Plankton, der Nahrungsbasis vieler Meerestiere. Die ökologischen Auswirkungen können sowohl positiv als auch negativ sein.
Negative Effekte etwa auf Meeressäuger durch den Unterwasserlärm beim Bau und Betrieb der Anlagen können durch den Einsatz von innovativen Technologien deutlich verringert werden.
Lösungsansätze für eine integrierte Meerespolitik
Offshore-Windkraft verändert die Meeresumwelt deutlich, ist aber zentraler Baustein für Energiesicherheit, Energieunabhängigkeit, Klimaneutralität sowie technologische Entwicklung und Beschäftigung. Die Herausforderung ist, Natur, Meeresraum und Energiepolitik zusammen zu denken und nicht getrennt nach Sektoren. Gemeinsam können Wissenschaft, Industrie und Politik Lösungen für einen nachhaltigen Umgang mit den Meeren entwickeln. Dazu haben die DAM und sustainMare sieben Impulse für eine wissenschaftsbasierte Meerespolitik (PDF) zusammengefasst.
Weitere Informationen zum Thema:
- Im Informationsportal der deutschen Meeresforschung, „Meere Online“, stehen weitere Informationen zum Thema Offshore-Windkraft zur Verfügung.
- Die Forschungsmission sustainMare der Deutsche Allianz Meeresforschung untersucht die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen menschlicher Nutzungen und Belastungen mariner Räume – insbesondere in der deutschen Nord- und Ostsee. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Optionen für Schutz- und Nutzungsstrategien zu entwickeln und damit Entscheidungsprozesse in Politik und Gesellschaft zu unterstützen. Das Projekt Coastal Futures beschäftigt sich u.a. mit den Auswirkungen von Offshore-Windparks auf marine Ökosysteme.