Neue Perspektiven für den Umgang mit Geogefahren im Mittelmeerraum
Wissenschaftliche Konferenz des Verbundprojekts MULTI-MAREX bringt Wissenschaft und Stakeholder für die Verbesserung der Küstenresilienz in Kalamata zusammen.
Anlässlich des 40. Jahrestags des Erdbebens von Kalamata kamen im Rahmen von MULTI-MAREX – einem Verbundprojekt der dritten DAM-Forschungsmission mareXtreme – vom 12. bis 18. September rund 32 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende aus Griechenland und Deutschland in der Küstenstadt zusammen. Gemeinsam mit lokalen Akteursgruppen diskutierten sie Maßnahmen zur Impaktminimierung und Steigerung der Resilienz gegenüber marinen Extremereignissen wie Erdbeben, Hangrutschungen und den daraus resultierenden Tsunamis. Am 13. September 1986 hatte ein Erdbeben der Magnitude 6,2 (auf der Richterskala) die Stadt innerhalb von 31 Sekunden großflächig zerstört: Mindestens 20 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt.
Auftakt der Konferenzwoche war die offizielle Pressekonferenz am 11. September in dessen Rahmen u.a. Prof. Klaus Reicherter (Delegationsleitung, RWTH Aachen) das herzliche Willkommen der Stadt Kalamata zur Zusammenarbeit heraushob sowie die Teilnahme einer Vielzahl von Forschenden und diversen Akteursgruppen begrüßte. Prof. Torsten Schlurmann (Missionssprecher und DAM-Vorstand, Leibniz Universität Hannover) ergänzte, „dass insbesondere der intensive Erfahrungsaustausch mit Zeitzeugen, die begleitenden kulturellen Events sowie die Übungen zur Katastrophenhilfe beeindruckend waren“. Dass die Konferenzwoche auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Plattform bot, unterstrich Prof. Piero Bellanova (Teilprojektleitung und Organisation, Universität Oldenburg).
Im Zentrum der siebentägigen Konferenzwoche und eines angegliederten Reallabor Workshops stand die Frage, wie sich die lokale Resilienz gegenüber solchen Extremereignissen im Mittelmeerraum nachhaltig stärken lässt – von der wissenschaftlichen Gefährdungsanalyse bis zur konkreten Implementierung wissenschaftlicher Erkenntnis zur Anpassung an Naturgefährdungen mit der Stadt Kalamata als Reallabor.
Vorbild für dieses Ziel ist die griechische Insel Samos, die bereits im Rahmen des Tsunami Ready Recognition Programme der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission der UNESCO (IOC-UNESCO) als „Tsunami Ready“ anerkannt wurde. Auch die Küstenstadt Kalamata soll künftig im Rahmen dieses freiwilligen, aber wichtigen Programms zertifiziert werden – mit dem Ziel, Frühwarninformationen, Evakuierungspläne und die Wahrnehmung der Bevölkerung auf einen möglichen Tsunami nachhaltig zu verbessern.
Neben der Konferenz wurden im Stadtgebiet von Kalamata zahlreiche Messungen und vielfältige Daten erhoben. Dazu gehörten die Probenahme von Sedimentarchiven sowie die Aufnahme der städtischen Infrastruktur durch die Kartierung von Gebäudedaten, Bevölkerungsdichte, Mobilitätsverhalten und Nutzungsinformationen. Ergänzt wurden diese Arbeiten durch hochauflösende Laserscans besonders exponierter Lagen im Stadtgebiet. Diese Datengrundlage fließt in die multidisziplinäre Bewertung der Gefahrenlage sowie in die Präzisierung der Modelle ein.
Über MULTI-MAREX
Im Rahmen des Projekts MULTI-MAREX entwickeln rund 39 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 12 Forschungseinrichtungen der interdisziplinären Meeres- und Küstenforschung gemeinsam mit lokalen Akteursgruppen und Entscheidungsträgern aus Griechenland verbesserte Handlungs- und Vorhersagemöglichkeiten für multiple geomarine Extremereignisse. Koordiniert wird das Verbundprojekt vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.
Über mareXtreme
In der dritten DAM-Forschungsmission „Wege zu einem verbesserten Risikomanagement im Bereich mariner Extremereignisse und Naturgefahren“, Kurztitel mareXtreme2, erforschen rund 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 29 Partner-Organisationen den Umgang mit den Wechselwirkungen zwischen kurzfristigen multiplen und kaskadierenden Extremereignissen und Naturgefahren sowie ihren langfristigen Auswirkungen auf marine Ökosysteme und das gesellschaftliche Leben an der Küste. Dazu zählen beispielsweise Hochwasser und Sturmfluten, durch Erdbeben ausgelöste Tsunamis und das vermehrte Wachstum von für Mensch und Tier schädlichen Mikroorganismen. Sozio-politische Rahmenbedingungen sind integraler Bestandteil der Forschungsaktivitäten der Mission.
Ziel der Mission ist es, die Vorhersagefähigkeit mariner Extremereignisse und Naturgefahren wesentlich zu verbessern, die nachhaltige Entwicklung von Küstengemeinden zu unterstützen und die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft an den Küsten zu stärken.
Die Mission mareXtreme wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie den Wissenschaftsressorts der norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gefördert.